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Steingarten



Sempervivum

Artenvielfalt ist neuerdings wieder voll im Trend, nur leider nicht auf Deutschlands Balkonen. Ganze Straßenzüge sind jeden Sommer in den Einheitsfarben der Baumarkt-Geranien getränkt und darauf sind die Leute dann auch noch stolz.
Dabei ließe sich schon auf ganz wenigen Quadratmetern eine eindrucksvolle Sammlung von vielen seltenen klein bleibenden Pflanzen verwirklichen.
In einem einzigen Balkonkasten oder auf einer Fensterbank können bis zu zwanzig verschiedene Pflanzen Platz finden, die völlig winterhart sind, sich ständig verändern und über Jahre hinweg keinerlei Pflege benötigen. Das heißt, die Balkonkästen können ganzjährig an Ort und Stelle verweilen.

 

Besonders geeignet sind hierfür vor Allem zwergwüchsige Steingarten-Pflanzen. Sie stammen meist aus Gebirgsregionen, sind daher recht kleinwüchsig und widerstandsfähig gegenüber extremen Wetterlagen. Wer sich auf winterharte Sukkulenten, also wasser speichernde Pflanzen beschränkt, muss sich auch um die Wasserversorgung  keine Gedanken machen, gelegentlicher Regen reicht vollkommen aus. Selbst das Zupfen von Unkraut, eigentlich die einzige Arbeit die in einem Steingarten gewöhnlich anfällt, ist kaum notwendig, denn das unerwünschte Ansiedeln von Flugsamen in der Höhe eines Balkons oder einer Fensterbank ist viel unwahrscheinlicher.


Welche Pflanzen sind für einen Nano-Steingarten geeignet?

Die Pflanzengattung mit der größten Vielfalt an geeigneten Vertretern ist zweifelsohne die Gattung Sempervivum, vielen vermutlich besser bekannt als Hauswurz. Die dickfleischigen, rosettenförmig wachsenden Gebirgsukkulenten gibt es in verschiedenen Größen, Wuchsformen und in fast allen erdenklichen Farben. Es sind weltweit mittlerweile über 3000 Sempervivum-Sorten bekannt. Mindestens die Hälfte davon ist für einen Nano-Steingarten geeignet, weil die einzelnen Rosetten nicht größer als circa fünf Zentimeter werden. Für die Anordnung der vielen Farben in Kästen, Kübeln oder auch Hängeampeln ist der Kreativität keine Grenzen gesetzt.

 

Leider sind diese echten Züchtersorten in großen Pflanzen- oder Baumärkten nicht zu bekommen. Die dort angebotenen Hauswurze sind meist Zufallshybriden, vergleichsweise langweilig gefärbt, oder veraltete Sorten. Die angegebenen Namen sind zudem so gut wie immer falsch. Hier sollte man sich an den Fachmann wenden.
Dort finden sich bestimmt noch viele weitere in Frage kommenden Begleitpflanzen wie Jovibarba, Delosperma, Sedum und für Leute die es stachlig wollen, winterharte Opuntien. Für schattigere Balkone oder Fenster sind die vielen Arten und Sorten der Gattung Saxifraga (Rosettensteinbrech) bestens geeignet.
Bei größeren Pflanzungen können Zwerg-Nadelhölzer oder kleinwüchsige Ziergräser  zwischengepflanzt werden, das lockert das Gesamtbild und lässt die Anlage natürlicher erscheinen.
Man kann für alle hier genannten Pflanzen als Ausgangssubstrat handelsübliche aber unbedingt hochwertige Blumenerde verwenden, man sollte sie aber mit mindestens ebenso vielen mineralischen Bestandteilen vermengen. Hierzu eignen sich Stoffe wie Blähton, Tonsplit, Blähschiefer, Sand, Schotter, Lavagranulat, Bims oder Ähnliches. Je mehr verschiedene Zuschlagstoffe desto besser. So ist der Wasserablauf sichergestellt, denn Staunässe ist das Einzige was die Pflanzen wirklich bedrohen kann.
Nach dem Pflanzen sollte die Oberfläche mit kleinen Steinen oder auch Zierkies abgedeckt werden. Zum einen sieht das gut aus und zum anderen ist es eine gute Vorbeugung gegen Unkraut. Am natürlichsten wirkt da Lavagranulat. Es können natürlich auch größere Steinfindlinge oder alte Baumwurzeln integriert werden, aber Vorsicht, nicht dass das Zeug noch jemandem auf den Kopf fällt.
Wenn der Nano-Steingarten sturmsicher an Ort und Stelle überwintert hat und das nächste Frühjahr ins Land zieht, gibt es auf Ihrem Balkon ständig Neues zu entdecken, jeden Tag tritt eine andere Pflanze in den Mittelpunkt, die mit farbigem Blattwerk, oder großen Blüten um Beachtung buhlt. Bienen und Schmetterlinge lassen bestimmt nicht lange auf sich warten. Entspannt werden Sie dann auf ihrem Balkon verweilen und ihren Nachbarn belächeln, wie er gerade mal wieder stinkende Industrie-Geranien pflanzt.

 


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